Absinth - Lexikonindex




INHALT:


I. Vom "magischen Allheilmittel" zum modernen Genuss ...
1. Die Geschichte der Spirituosenherstellung ...
2. Magister Salernus lüftete das Geheimnis
der Destillation ...


II. Die Geschichte des Alkohols ...
1. Geschichtlicher Ablauf ...
2. Das deutsche Branntweinmonopol ...
3. Geografische Verteilung der Brennereien ...


III. Die Herstellung von Spirituosen ...
1. Die Destillation im einfachen Brennkolben ...
2. Das Rektifizierverfahren ...

IV. Absinthherstellung ...
1. Benötigte Stoffe ...
2. Wasser ...
3. Alkohol ...
4. Ätherische Öle ...
5. Tinkturen ...
6. Essenzen ...
7. Pflanzliche Zusatzstoffe des Absinthes ...
8. Farbstoffe im Absinth ...
9. Weitere Zusatzstoffe ...
10. Verschiedene Verfahren ...
11. Absinthherstellung auf warmen Weg (Destillation - "Absinthe à chaude") ...
12. Absinthherstellung im Schnellverfahren ...





Historische übersicht der Absinthe-Geschichte



1769 Erste Erwähnung des "Extrait de I'Absinthe" in einer Zeitungsannonce in Neuenburg

1794/97 Erstes Absinthe-Rezept im Tagebuch aus dem Jahre 1794 von Abram-Louis Pernod

(1735-1811) mit einem Eintrag vom 25.12.1797 seines Sohnes Henri-Louis (1775-1851), aufbwahrt im Staatsarchiv Neuenburg

1797/98 Beginn der ersten Destillerie in Couvet durch Major Daniel-Henri Dubied (1758-1841) und seinem Schwiegersohn Henri-Louis Pernod, nachdem das Rezept von «mere» Henriod, einer heilkundigen Frau aus Couvet, erworben wurde.

1805 Erste industrielle Distillerie in Pontarlier durch Henri-Louis Pernod, unter dem Namen «Pernod Fils»

1644 - 47 Algerienkrieg, bei dem die französischen Truppen den Ab­sinthe kennen und lieben lernten und nach ihrer Rückkehr den Absinthe in den Pariser Bars und Bistros salonfahig machten.

ab 1830 Aufstieg der Absinthe-Kultur in den Boheme-Kreisen, namhafte Künstler und Literaten widmeten sich dem Absinthe und verewigten ihn in literarischen Texten und Bildern.

1859 Manet malt den «Absinthe-Trinker»

ab 1870 Reblausplage, die den Wein dezimierte und dem Absinthe erst einen weiteren Vorsprung verschaffte, der in der Folge aber durch die Verwendung von Industriealkohol zunehmend in Verruf geriet.

29.2.1872 Untergang des Schiffes «Marie-Therese» vor Jakarta mit 500 Flaschen Absinthe an Bord - 1991 wieder geborgen und damit kehrte eine Flasche zuruck ins Val-de-Travers - leider leer...

1876 Degas malt das Bild «L'Absinthe»

um 1900 Der Widerstand gegenüber Absinthe wird zunehmend grösser, der sogenannte «Absinthismus» erschreckt die Bevölkerung, erste Verbote werden ausgesprochen.

1905 - Verbot in Belgien (1898 bereits in der belgischen Kolonie Kongo)
- Verbrechen von Commugny (Waadtland/Schweiz), bei dem ein Familienvater im Alkoholrausch seine Familie ermordete: Dies wurde dem Absinthe zugeschoben und emotional fur die Abstimmung in der Schweiz verwendet.

1907 Einreichung der Initiative gegen den Absinthe in der Schweiz mit 167'814 Unterschriften

5.7.1908 Abstimmung in der Schweiz: Mit 63% der Stimmen wurde Absinthe verboten (nur die Kantone Genf und Neuenburg waren gegen ein Verbot).

1908 Verbot in Holland

7.10.1910 Messieurs, Dames - c'est I'heure: Definitive Inkraftsetzungdes Verbotes in der Schweiz

1912- Verbot in den USA
- Absinthe-Verbrauch in Frankreich: 220 Millionen Liter

1913 Verbot in Italien und in Brasilien

1915 Verbot in Frankreich

27.4.1923 Verbot in Deutschland, im selben Jahr auch in Österreich

1930 Verbot in der (ehem.) Tschechoslowakei

ca. 1960 Grössere Repressionswelle im Val-de-Travers mit einigen Verhaftungen

1981 Das Absinthegesetz wird in Deutschland ausser Kraft gesetzt, durch die Aromaverordnung bleibt der Absinthe trotzdem verboten.

1983 Präsident Mitterand wird anlässlich eines Staatsbesuches in Neuenburg ein Absinthe-Souffle serviert, mit anschliessendem kleinen Politskandal.

1984 Erste politische Versuche, den Absinthe wieder zu legalisieren in der Schweiz (Motion im Neuenburger Grossen Rat, mit knapp 2 Stimmen unterlegen)

29.10.1991 Zulassung eines reglementierten Thujongehalts in Lebensmit-teln in der EU (Richtlinie 88/388/EWG vom 22. Juni 1988)

1994 Motion zur Legalisierung des Absinthes in der Schweiz des Freiburgers Nationalrates B. Rohrbasser wird abgelehnt (eingereicht 17.12.93)

1998 Absinthe-Herstellung und -Einfuhr werden in der EU wieder zugelassen (Anpassung der Aromaverordnung bis max. 35mg/kg Thujongehalt).

2002 Ausstellung uber Absinthe aniasslich der EXPO in Neuenburg/ Schweiz; Einreichung der parlamentarischen Initiative «die gesetzlichen Beschrankungen der Herstellung und Vermarktung von Absinthe zu beseitigen» durch den freisinnigen Jean-Claude Cornu, Fribourg/Schweiz

14.6 2004 Debatte im Nationalrat mil anschliessender Zustimmung fur die Legalisierung des Absinthe - am gleichen Tag wird eine Gesetzesrevision u.a. zur Legalisierung des Hanfes abgelehnt

1.3.2005 Vollständige Legalisierung auch in der Schweiz

In Europa wurde in folgenden La'nder nie ein Absinthe-Verbot erlassen:

- Spanien
- Portugal
- Da'nemark
- England (Thujon wurde auf 10mg/kg beschränkt)

In einigen Landern bestehen immer noch Beschrankungen und sogar Verbote: Im «freien» Amerika ist Absinthe nach wie vor verboten, und Japan legt den Thujongehalt noch immer auf maximal 10mg/kg fest. In Frankreich darf das Wort Absinthe nicht auf der Flasche stehen, und lediglich 5mg/kg Fenchel sowie 20mg/kg Ysop sind erlaubt - eine verständliche Erklärung dazu fehlt aber.



Die "Goldenen Regeln" des Absinthtrinkens



1 . Absinth ist zur Zeit ein Modegetränk, das noch relativ teuer ist. Deshalb gibt es auch unseriose Anbieter, die Absinth in den Handel bringen, der gesundheitsschadlich sein kann. Mein Rat: Man sollte tunlichst nur zu Absinthmarken von namhaften Firmen der Spirituosenbranche greifen. Wenn ein Angebot erheblich billiger ist als der Durchschnitt, dann ist auf jeden Fall Vorsicht angebracht.

2. Wer Probleme mit der Leber, den Nieren oder dem Magen hat, sollte keinen Absinth trinken. Lebensgefährlich kann es fur Menschen mit gestörter Hämoglobinsynthese werden. Da Wermut seit alters als Kraut bekannt ist, das aktivierend auf die Unterleibsorgane wirkt, sollten auch Schwangere grundsatzlich keinen Absinth trinken.

3. Zwar lässt sich der Thujongehalt und damit die Wirkung des Absinths durch Hinzufugen von Wermutöl erhöhen. Dies ist aber äußerst riskant - es ist dringend davon abzuraten.

4. Je nach Alkoholgehalt sollte man den Absinth imVerhaltnis 1:1 bis 1:5 mit Wasser verdünnen. Wer das "böhmische Ritual" des Absinthtrinkens schätzt, führt seinem Körper hingegen in kürzester Zeit sehr hohe Dosen Thujon zu.

5. Vorsicht ist auch angeraten bei der Mischung größerer Mengen Absinth mit anderen Spirituosen, insbesondere mit Cognac oder Rum. Die Wirkung des Absinths wird beispielsweise erheblich verstärkt, wenn man nach einigen Gläsern Absinth hinterher noch Wein oder Sekt trinkt.

6. Übermäßiger Absinthgenuss führt zu dem berüchtigten Absinthkater. In der "Grünen Stunde" beschränkten sich zumindest die Franzosen der oberen Gesellschaftsschichten daher auf ein bis zwei Gläschen Absinth als Aperitif vor dem Abendessen. Wer mehr trinken wollte, wechselte ge-wöhnlich das Lokal, um nicht als Trinker zu gelten. Gegen den Kater helfen am besten die üblichen Maßnahmen: viel Mineralwasser oder Kaffee mit Zitronensaft. In der Absinthszene wird indes empfohlen, Mineralwasser mit etwas Magenbitter, Angostura oder gar wiederum Absinth zu trinken. (aus: Helmut Werner, Absinth - Die grüne Wunderfee, Ullstein 2002"