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WAS IST ABSINTH?

Absinth ist eine mit Wermuthauszügen hergestellte Spirituose, die wegen des im Wermutkraut enthaltenen Neurotoxins Thujon, 1923 als Rauschdroge per Gesetz verboten wurde und seit 1991 wieder legal getrunken werden darf. Der Begriff kommt von der lateinischen Bezeichnung für Wermut: Artemisia absinthium.

Nun erlebt dieses anregende Getränk eine Renaissance, nachdem es seit 1991 mit reglementiertem Anteil an Thujon in Deutschland wieder zulässig ist, da mit moderner Technik und Analysemethoden die Risiken beherrschbar geworden sind.

Die Legenden über die Wirkung des Wermuts (lat.: Artemisia absinthium) reicht bis in die Zeit der Antike zurück. Bereits Pythagoras und Hippokrates empfahlen die bitter schmeckende Pflanze als Mittel gegen allerlei Wehwehchen. Im Mittelalter glaubte man sogar, die Pest mit Hilfe der graugrünlichen Pflanze fern halten zu können, indem man sie im Dachgebälk befestigte oder unter sein Kopfkissen legte. Tatsächlich kann der zu den Beifußgewächsen zählende Wermut Leiden lindern. Als Tee oder Tinktur hilft Wermut bei Magen-, Darm- und Gallenbeschwerden. Die medizinische Wirkung begründet sich in dem Bitterstoff Absinthin und dem ätherischen Öl Thujon. Jenes Thujon ist es auch, dem der Absinth seinen bewusstseinserweiternden Einfluss verdankt. Als der Absinth Anfang des vergangenen Jahrhunderts seine Hochphase erreicht hatte, waren Destillate mit einem Thujongehalt von bis zu 80 Milligramm pro Liter keine Seltenheit.

Die Einschränkung auf diese Menge macht auf Grund der nicht restlos erforschten Auswirkung des Thujons auf den menschlichen Körper Sinn, schmälert den Genuss jedoch keineswegs.

Kaum zu glauben, dass der in ausgewachsenem Zustand etwa ein Meter hohe Busch mit den nett anzusehenden gelblichen, rispenförmigen Blättern so harmlos erscheint und doch solch geheime Kräfte in ihm schlummern.

Absinth / Thujon - legale Droge

Durch das Absinthgesetz war es bis 1981 verboten, den als Absinth bezeichneten Trinkbranntwein sowie ähnliche Erzeugnisse oder die zur Herstellung derartiger Getränke dienenden Grundstoffe herzustellen, aus dem Ausland einzuführen, zum Verkauf vorrätig zu halten, zu verkaufen oder sonstwie in den Verkehr zu bringen. Auch die Erstellung einer Rezeptur war verboten. Das Absinthgesetz wurde 1981 aufgehoben. Dadurch hat sich die Rechtslage jedoch kaum geändert, da die Aromenverordnung die Verwendung von Wermutöl und Thujon verbot - Absinth war damit nach wie vor verboten.

Die heute gültige Aromenverordnung hält das Verwendungsverbot für Thujon auch weiterhin aufrecht - gestattet aber die Verwendung thujonhaltiger Pflanzen und Pflanzenteile wie Wermutkraut (Herba Absinthii) und Beifuss (Herba Arthemisiae).

Wie man sieht ist die Verwendung von Thujon nach wie vor verboten! Insofern darf einer Spirituose kein Thujon künstlich hinzugefügt werden. Als Verkäufer fragen wir uns natürlich, wie bei manchen Produkten mit genauen mg Thujon Angaben geworben werden kann, da der Thujongehalt des Extraktes von der Qualität der verwendeten Kräuter, der Dauer der Extraktion, der Art des verwendeten Alkohols, den Umgebungstemperaturen und vielen weiteren, nicht beeinflussbaren Faktoren abhängt. Nach unserer Erfahrung kann man nie genau voraussagen, wieviel mg Thujon/kg Wermutextrakt man erwischt, um einen genauen Thujongehalt von X,X mg in der Fertigspirituose zu erzielen. Thujonangaben bei gleichbleibender Geschmacksnote wären somit reine Glückssache.

Als Höchstmenge in Trinkbranntweinen mit einem Alkoholgehalt bis 25% vol. sind 5 Milligramm Thujon/KG, 10 mg Thujon/KG Spirituose bei einem Alkoholgehalt von mehr als 25% vol. und sogar - was wenig bekannt ist - 35 mg/KG für Spirituosen, die den EG-Bestimmungen für einen Bitter entsprechen, was wiederum in einer EG-Richtlinie geregelt ist.

Aufnahme/Wirkungsdauer

Absinth kann pur aber auch verdünnt konsumiert werden. Das Nachzuckern des Absinths ist heutzutage bei den meisten Absinthen nicht mehr nötig, war aber in früheren Zeiten wegen des bitteren Geschmacks des Wermutkrautes nötig und ist ein beliebtes Ritual geworden. Dazu wird ein Löffel mit Zucker (lose oder als Würfel) kurz in das Getrank getaucht und gewartet bis der Zucker sich auflöst und ins Glas tropft. Dies geht mit speziellen Absinthlöffeln (Löcher im Löffel) noch besser.

Wahre Kenner setzen noch eins drauf. Nach dem Eintauchen des Löffels mit dem Zucker in den Absinth, wird der getränkte Zucker entzündet, der Alkohol verbrennt und verkocht den Zucker zu Sirup, der ins Glas tropft und letztendlich verrührt wird. Der Inhalt wird dann schnell ausgetrunken.

Je nach Alkoholgehalt sollte man Absinth im Verhaltnis 1:2 bis 1:5 (bei 70% Alkoholgehalt auch bis zu 1:8) mit Wasser verdünnen. Durch das Verdünnen mit Wasser nimmt das Getränk ein trüb milchiges Aussehen an. Bei Trinken des puren und bitteren Absinths führt man seinem Körper in kürzester Zeit hohe Mengen an Thujon zu.

Rausch

Die besondere Wirkung des Absinths wurzelt in der Mischung aus beruhigendem Alkohol und stimulierendem Thujon, die sich anscheinend gegenseitig in ihren Wirkungen teilweise aushebeln und für den einzigartigen Rauschzustand sorgen.

Konsumenten berichten bei wenigen Drinks von einem leicht schwebenden Zustand und Verstärkung der Sinneswahrnehmung. Farben werden kräftiger, die Sehschärfe nimmt zu und Musik wird als lauter empfunden. Der Gemütszustand ist ausgelassen, erregt und euphorisch. Viele fühlen sich wie nach dem Konsum von zwei Joints.

Man fühlt sich freier, Schüchternheit verfliegt und man sucht Kontakt zu anderen. Der Konsument wird gesprächiger und bleibt klaren Verstandes,das Bedürfnis nach Sex ist ungleich großer (Aphrodisiakum) und oft wird von einem starken Hungergefühl berichtet. Das Zeitgefühl verändert sich.

Körperliche Wirkungen / Risiken während des Rausches

Der übermäßige Absinthgenuß (Absinthrausch) bringt am nächsten Morgen einen schlimmem Kater mit sich, dessen Stärke die üblichen Mittel wie Kaffee mit Zitrone oder Mineralwasser mildern. Eine Überdosierung/Absinthvergiftung (ab 2,1 bis 9,8 g Thujon, was aber knapp 200 Flaschen Absinth entspricht) löst bei einem erwachsenen Menschen (ca. 70 kg) Krämpfe, Empfindungslosigkeit und Verwirrung aus. Vorher machen sich Schwäche, Schwindel und Zittern in den Beinen bemerkbar. Weiterhin tritt ein Kribbeln und schmerzhaftes Ziehen in den Gliedmaßen auf. Das Zittern verstärkt sich und neben epileptischen Anfällen kann es zu Halluzinationen kommen. Diese Krämpfe köonnen schwere gesundheitliche Schäden nach sich ziehen und zum Tode führen.

Akut bedeutet das eine sich erst verkrampfende Haltung und Krämpfe in der Rückenmuskulatur, die dann in kleinere Krämpfe vereinzelter Muskelgruppen übergeht, was unter anderem Zähneknirschen hervorrufen kann. Die Dauer solch eines Anfalls erstreckt sich auf ca. 60-80 Minuten.

Bevor es jedoch zu einer solchen Vergiftung kommen kann, ist der Konsument von der Wirkung des Alkohols (wie gesagt ca. 200 Flaschen Absinth müssten es sein) schon sehr stark mitgenommen und total betrunken als Thujon geschädigt. Die hauptsächlichen und gesundheitsschädlichen Nebenwirkungen wurzeln im hohen Alkoholgehalt (bis zu 89,9% vol.)

Langzeitfolgen

Langzeitfolgen des Absinthkonsums sind noch nicht eindeutig erforscht. Bei Konsum überdurchschnittlicher Mengen über einen längeren Zeitraum können jedoch Wirkungen wie Zittern, Empfindungsstörungen und eventuell auch Krämpfe auftreten. Durch den hohen Anteil an Alkohol im Absinth, sind Schädigungen durch diesen sehr viel wahrscheinlicher.

Wir warnen ausdrücklich davor, Nahrungsmittel künstlich mit Thujon anzureichern. Sie werden keine psychoaktive Wirkung spüren, sondern höchstens im Krankenhaus landen! Echte Absinth-Liebhaber legen keinen Wert auf Thujon, sondern auf den Geschmack und die Zeremonien!

Der Reiz des Verbotenen trug sicherlich seinen Teil zur Legendenbildung der smaragdgrünen Flüssigkeit bei. War doch der Absinth das Getränk der Künstler und Intellektuellen um die Jahrhundertwende. Ob Van Goghs Farbenrausch oder Baudelaires intensiv traurige Poeme - sie alle entstanden vermutlich unter dem Einfluss der "Fée verte", die Kreativen zu ungeahnten Höhen verhalf und manchen bei allzu großer Absinth-Liebe in die Gosse trieb.

Der damalige Absinth enthielt unkontrollierte Mengen an Thujon, einen Inhaltsstoff des Wermutextrakts, dem eine ähnlich bewusstseinserweiternde Wirkung wie dem Cannabis-Wirkstoff THC nachgesagt wird. Der starke Missbrauch des hochprozentigen Getränks zur Zeit des ersten Weltkriegs war einer der Hauptgründe, die zu einem Absinth-Verbot in beinahe allen westlichen Staaten im Jahre 1923 führten. Man stelle sich vor, in Russland sei der Wodka verboten worden solch ein Aufschrei ging durch die Bevölkerung. Das Außerkraftreten des Absinth-Gesetzes Ende 1981 änderte an der Rechtslage wenig: Die Aromenverordnung verbot weiterhin die Verwendung von Wermuthöl und Thujon, so dass jahrzehntelang Absinth nur in Portugal, Spanien und Dänemark zu genießen war. Im Zuge der Vereinheitlichung macht sich das Europarecht seit dem letzten Jahr für das Wermutgetränk stark. In der dem Europarecht 1991 angepaßten Aromenverodnung ist zwar die Verwendung von Thujon weiterhin verboten, erlaubt ist jedoch die Verarbeitung thujonhaltiger Pflanzen und Extrakte aus diesen Pflanzen.

Heute ist man ist im Umgang mit der "grünen Hölle", wie die potente Flüssigkeit früher auch genannt wurde, gelassener geworden seit den Tagen, als nicht nur französische, sondern auch deutsche Soldaten die Kriegsschrecken mit Absinth ausblendeten. Nicht mehr in rauen Mengen, sondern als slow food genossen, bewirkt er ein angenehmes Wohlfgefühl. Dem Wermutkraut bescheinigen Wissenschaftler sogar heilende Wirkung und es wurde bereits in der Antike als Heilmittel eingesetzt. Es wird heute bezweifelt, ob die Gefahren damals nicht dramatisiert worden sind, denn um eine gesundheitliche Schädigung zu bewirken, müssten von dem auch heute noch 50-79 volumenprozentigen Feengetränk unmenschlich viele Gläser getrunken werden. Bei drastischen Fällen, die zur hohen Zeit des Absinthes auftraten, wurde später nachgewiesen, dass der erhoffte Genuss gepanscht war und die Gesundheitsschäden vom teilweise verwendeten minderwertigen Alkohol herrührten.

Die Quasi-Legalisierung des Absinthes konnte trendhungrigen Barkeepern nicht lange verborgen bleiben. Sie kredenzen den Trendsettern unter ihren Gästen neuerdings Absinth on the rocks, servieren ihn flambiert, mit brennendem Zucker versüßt, mit Wasser verdünnt oder einfach pur.

Absinth-Rezepturen gibt es unterschiedlichster Art: Ob mit einer Beimischung von Anis, Fenchel, Melisse, Ysop oder Koriander der Geschmack bleibt unnachahmlich. Einzigartig sind auch die Rezepte der deutschen Brennereien, die ihr altes Wissen aus dem 18. Jahrhundert an die heutige Rechtslage angepaßt haben und nun endlich wieder Absinth herstellen. Wie der köstlich geheimnisvolle Tropfen schmeckt, kann jeder gern probieren. Wie er hergestellt wird, bleibt ein ebenso großes Geheimnis wie die Frage, ob sich Van Gogh wirklich im Wermutrausch sein berühmtes Ohr abschnitt.



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Das Gefährliche am Kultgetränk Absinth ist vor allem der Alkohol und weniger das Nervengift Thujon

50 Volumenprozent Alkohol rieseln "vergleichsweise mild durch den Rachen und volle zehn Milligramm Thujon schießen durch die Nervenbahnen". So liest sich eine Geschichte über Absinth in der "Süddeutschen Zeitung" vom vergangenen Jahr. Absinth ist wieder in. Knapp 80 Jahre war es in Deutschland und anderswo verboten, aber jetzt ist es wieder legal. Bereits seit 1991 darf der alkoholische Extrakt des Wermutkrautes (Artemisia absinthium) wieder konsumiert werden.

Absinth, wir erinnern uns, ist die "Grüne Fee", die Maler und Literaten in einen Zustand zwischen Wahn und Wonne versetzt haben soll. Vincent van Gogh, Paul Gaugin, Oscar Wilde oder Ernest Hemingway waren bekannte und bekennende Absintheure.

In Szene-Kneipen wird der Absinthgenuß wieder zelebriert Die Absinth-Euphorie hat mittlerweile alle deutschen Metropolen erfaßt. Ob mit Wasser oder Champagner verdünnt, als Cocktail oder Longdrink, ob mit 50 oder 70 Volumenprozent Alkohol - der Genuß von Absinth wird in Szene-Kneipen von Berlin bis München geradezu zelebriert. Ganz offen wird mit den psychoaktiven Wirkungen des Inhaltsstoffes Thujon geworben, die über die reine Alkoholwirkung anderer Spirituosen hinausgehen sollen. Ob das stimmt, weiß keiner genau.

Daß Thujon neurotoxische Wirkungen haben kann, ist unbestritten. Die Substanz kommt auch in Beifuß, Salbei oder im Lebensbaum vor. Ob jedoch die bei einigen französischen Impressionisten beschriebenen Halluzinationen, epileptiformen Anfälle oder gastrointestinalen Probleme auf das Thujon zurückzuführen sind, ist umstritten.

Möglicherweise handelte es sich auch um maskierte Psychosen, die durch den konzentrierten Alkohol, dessen Qualität auch nicht immer die beste gewesen sein dürfte, ausgelöst oder getriggert wurden, so Professor Klaus-Jürgen Neumärker von der Charité Berlin zur "Ärzte Zeitung". Der Kinder- und Jugendpsychiater hat sich gemeinsam mit Kollegen eingehend mit der Absinth-Problematik befaßt (Ärzteblatt 42, 2001, B2334).

Auch der Toxikologe Privatdozent Dr. Wolfgang Huckenbeck aus Düsseldorf warnt im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung" vor Panikmache und macht folgende Rechnung auf: Trinkt etwa ein 70 Kilogramm schwerer Mann innerhalb von drei Stunden Absinth mit zugelassenem Thujonanteil von 10 mg pro Liter, nimmt er gleichzeitig erhebliche Mengen Alkohol zu sich. 10 mg Thujon pro Liter dürfen nämlich nur Getränke mit mehr als 25 Volumenprozent Alkohol enthalten.

Dieser Mann müßte, um auf 0,004 bis 0,006 mg/kg Körpergewicht Thujon innerhalb von drei Stunden zu kommen, soviel trinken, daß er gleichzeitig einen Promillewert von über zwei erreichen würde, so Huckenbeck. Es sei kaum wahrscheinlich, daß bei dieser Thujon-Konzentration bereits mit zentralen Wirkungen zu rechnen sei.

Neumärker gibt allerdings zu bedenken, daß beim klassischen Absinth-Ritual ein Teil des Alkohols verbrenne, wodurch eine höhere Thujon-Konzentration erreicht werde. Außerdem sei nicht bekannt, ab welcher Dosis Thujon überhaupt wirke. Auch über das Suchtpotential oder Interaktionen mit anderen Drogen sei nichts oder wenig bekannt. Auf alle Fälle verstärke Nikotin die Thujon-Wirkungen.

Zuviel Wirbel um Absinth wirbt für die Spirituose

Wie gefährlich ist also Absinth wirklich? Das Gefährlichste ist wohl der hochprozentige Alkohol. Darin stimmen der Psychiater und der Toxikologe überein. Andererseits könne man kaum verhindern, daß sich Absinth-Liebhaber über das Internet Wermut-Öl verschaffen und selbst Absinth herstellen, der die erlaubten Thujon-Konzentrationen weit übertreffe. Bekannt geworden ist der Fall eines Mannes, der Wermut-Öl unverdünnt zu sich genommen hat und wegen Rhabdomyolyse und Nierenversagen auf der Intensivstation behandelt werden mußte (NEJM 337, 1997, 825).

Neumärkers Fazit lautet deshalb: "Man muß davor warnen und als Arzt daran denken". Huckenbeck plädiert für Laisser-faire. Zu viel Wirbel um den Absinth habe letztlich eine werbende Wirkung für die Spirituose.